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Kapitallebensversicherung

Eine Kapitallebensversicherung ist eine Kombination aus einer Geldanlage zum langfristigen Vermögensaufbau und einer Form der Hinterbliebenenabsicherung. Die Versicherung kombiniert einen Sparplan mit der finanziellen Absicherung einer Risikolebensversicherung. Bei Ablauf des Versicherungsvertrages erhält der Versicherungsnehmer üblicherweise einen Einmalbetrag ausgezahlt. Diese Auszahlung umfasst die eingezahlten Beiträge verzinst mit dem im Vertrag vereinbarten Garantiezins und einer von der Versicherungsgesellschaft erwirtschafteten Überschussbeteiligung.

 

Dieser Ratgeber erklärt alle wichtigen Einzelheiten zur Kapitallebensversicherung:

  1. Was ist eine Kapitallebensversicherung?
  2. Der Garantiezins und die Kapitallebensversicherung
  3. Besteuerung der Kapitallebensversicherung
  4. Kapitallebensversicherung beleihen und verkaufen
  5. Unterschiede zu anderen Lebensversicherungen
  6. Für wen lohnt sich eine kapitalgebundene Lebensversicherung?

 

Was ist eine Kapitallebensversicherung?

Wenn Sie sich fragen: „Kapitallebensversicherung – was ist das?“, dann lautet die Antwort: Die Versicherung ist sowohl eine Absicherung Ihrer Familie, falls Sie während der Laufzeit der Versicherung versterben, als auch eine langjährige Geldanlage. Das liegt daran, dass die Kapitallebensversicherung nicht nur bei einem Todesfall leistet, sondern auch bei Ablauf des Versicherungsvertrages.

Häufig wird eine kapitalbildende Lebensversicherung mit einer Laufzeit von 20 bis 30 Jahren abgeschlossen, um als Altersvorsorge zu dienen. Das bei Fälligkeit in einem Betrag ausgezahlte Kapital setzt sich aus einem Sparanteil mit einer garantierten Verzinsung sowie einer Überschussbeteiligung zusammen. Den Überschuss erzielt die Versicherungsgesellschaft, indem sie circa 75 % der eingezahlten Prämien in risikoarme Finanzprodukte investiert. Den restlichen Anteil der Prämien nutzt die Versicherung zur Deckung ihrer Kosten und Provisionen sowie für den Todesfallschutz. Leider fällt die Überschussbeteiligung seit einigen Jahren immer geringer aus. Der Rückgang hat zwei Gründe:

  1. Am Finanzmarkt herrscht eine Niedrigzinsphase.
  2. Die Versicherungsgesellschaften müssen hohe Reserven für Altverträge mit Garantiezinsen von bis zu 4 % bilden, sodass weniger für die aktuelle Überschussbeteiligung bleibt.

 

Der Garantiezins und die Kapitallebensversicherung

Die offizielle Bezeichnung des Garantiezinses lautet Höchstrechnungszins. Das Bundesfinanzministerium legt den Höchstzinssatz für Kapitallebensversicherungen in der sogenannten Deckungsrückstellungsverordnung fest. Da die die Versicherungsgesellschaften die Prämien der Versicherten nur in risikoarme Finanzprodukte investieren, die keine hohe Rendite abwerfen, orientiert sich der Garantiezins an der Verzinsung von zehnjährigen deutschen Staatsanleihen. Diese gelten aufgrund ihrer Laufzeit und der Bonität als sichere Geldanlage. Der Garantiezins darf dabei nicht mehr als 60 % der durchschnittlichen Rendite der Staatsanleihen ausmachen.

Durch die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt sank in den letzten Jahren auch die Rendite der Staatsanleihen und somit auch der Garantiezins.

Seit dem 1. Januar 2017 beträgt der Garantiezins 0,9 %. Dieser Zinssatz gilt nun für alle kapitalbildenden Lebensversicherungen, die vom 1. Januar 2017 bis 31.12.2021 abgeschlossen werden bzw. wurden. Für Neuverträge ab dem 1. Januar 2022 soll der Garantiezins Kapitallebensversicherung auf 0,25 % gesenkt werden. Die Senkung

 

Besteuerung der Kapitallebensversicherung

Wie werden Kapitallebensversicherungen besteuert und können die Beiträge steuerlich geltend gemacht werden? Entscheidend für Besteuerung der Ablaufleistung sind das Abschlussdatum und andere Faktoren der Kapitallebensversicherung,

Bei einem Vertragsabschluss vor dem 1. Januar 2005 müssen bei der Auszahlung zum Ende der Laufzeit oder auch bei einer Kündigung oder dem Verkauf keine Steuern gezahlt werden, wenn:

  • der Vertrag eine Laufzeit von mindestens 12 Jahren erreicht hat,
  • der erste Beitrag spätestens am 31. März 2005 gezahlt wurde,
  • für den Vertrag mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt wurden,
  • die Auszahlung als Einmalbetrag erfolgt.

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, muss der Begünstigte auf den Ertrag aus der Versicherung Abgeltungssteuer zahlen. Der Ertrag ist dabei die Differenz aus dem aufgebauten Kapital und den zum Kapitalaufbau bezahlten Beiträgen.

Wie wird die Kapitallebensversicherung besteuert, wenn es sich um einen ab dem 1. Januar 2005 abgeschlossenen Vertrag handelt? Dann erfolgt  in jedem Fall eine Besteuerung der Erträge. Die Steuer reduziert sich um 50 %, wenn:

  • der Vertrag eine Laufzeit von mindestens 12 Jahren erreicht hat,
  • die Auszahlung als Einmalbetrag erfolgt,
  • die Versicherungssumme erst nach dem 60. Lebensjahr beziehungsweise für ab 2012 abgeschlossene Verträge ab dem 62. Lebensjahr ausgezahlt wird,
  • bei nach dem 31. März 2009 abgeschlossenen Verträgen der Todesfallschutz mindestens 50 % der Beitragssumme beträgt.

 

Steuererklärung: Kapitallebensversicherung wo eintragen?

Wenn eine Besteuerung der Leistung aus der Kapitallebensversicherung erfolgt, überweist die Versicherungsgesellschaft die Abgeltungssteuer auf die kompletten Erträge an das Finanzamt. Die Begünstigten, im Normalfall die Versicherungsnehmer/in, können sich jedoch die Hälfte der Steuer über ihre Einkommensteuererklärung zurückholen. Dazu müssen die Erträge in der Anlage KAP der Steuererklärung eingetragen werden.

Zudem können Arbeitnehmer und Rentner jährlich maximal 1.900,00 Euro und Selbstständige höchstens 2.800,00 Euro im Jahr als Vorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen. Zu den Sonderausgaben zählen neben den Beiträgen zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung auch die Beiträge zur kapitalgebundenen Lebensversicherung, sofern es sich um einen Altvertrag mit Abschluss vor 2005 handelt. Die Angabe der geleisteten Beiträge erfolgt in der Anlage Vorsorgeaufwand.

Ansonsten gelten die Beiträge zur Kapitallebensversicherung als Vermögensaufbau und sind steuerlich nicht absetzbar.

 

Kapitallebensversicherung beleihen und verkaufen

Wenn Besitzer einer Lebensversicherung Geld benötigen, sollten sie die Kapitallebensversicherung nicht kündigen. Die Versicherungsgesellschaft zahlt nur den Rückkaufswert aus, der z.B. aufgrund von Stornoabschlägen niedriger als das tatsächlich angesparte Kapital ausfällt. Es lohnt sich daher, wenn die Versicherungsnehmer die kapitalgebundene Lebensversicherung verkaufen oder beleihen.

Der Verkauf einer kapitalgebundenen Lebensversicherung hat den Vorteil, dass sowohl ein höherer Kaufpreis gezahlt wird und ein Todesfallschutz bestehen bleibt. Zudem ist die Besteuerung des erzielten Kaufpreises identisch der Kündigung beim Versicherer. Bei Verträgen mit Abschluss vor 2005 ist der Erlös daher im Normalfall steuerfrei.

Wenn Versicherte die kapitalgebundene Lebensversicherung nur kurzfristig Geld oder Liquidität benötigen, kann die Versicherung über ein, sogenanntes Policendarlehen beliehen werden. Die Versicherung dient dabei als Sicherheit für einen zinsgünstigen Darlehen ohne Schufa-Eintrag. Die maximale Darlehenshöhe entspricht dem aktuellen Rückkaufswert der Lebensversicherung und die Laufzeit kann individuell vom Versicherungsnehmer gewählt werden. Die Tilgung des Kredits erfolgt dann am Ende der Darlehenslaufzeit in einer Summe.

 

Unterschiede zu anderen Lebensversicherungen

Im Versicherungsmarkt sind unter anderem diese Lebensversicherungen zu finden:

  • Risikolebensversicherung
  • Kapitallebensversicherung oder auch kapitalbildende Lebensversicherung
  • kapitalbildende Rentenversicherung
  • fondsgebundene Lebens-und Rentenversicherung

Der Unterschied Kapitallebensversicherung und Risikolebensversicherung liegt darin, dass die Risikolebensversicherung nur im Todesfall zahlt. Erlebt der Versicherte den Ablauf des Vertrages, erlischt der Todesfallschutz und es erfolgt keine Auszahlung. Da keine Kapitalbildung erfolgt, fallen die Beiträge zur Risikolebensversicherung im Vergleich zur Kapitallebensversicherung deutlich geringer aus.

Die Rentenversicherung hat, wie die Kapitallebensversicherung, das Ziel des Kapitalaufbaus. Entgegen der Kapitallebensversicherung hat sie jedoch keinen Todesfallschutz in Form einer von Beginn an hohen Todesfallleistung. Bei Tod werden lediglich die eingezahlten Beiträge an die Hinterbliebenen ausgezahlt. Dadurch sind die Beiträge für eine Rentenversicherung etwas günstiger. Zudem erfolgt die Auszahlung am Ende der Laufzeit als monatlicher Rente, wobei bei den meisten Verträgen auch die Einmalzahlung gewählt werden kann.

Die fondsgebundene und die kapitalgebundene Lebensversicherung zeigen Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf. Bei beiden Versicherungen werden Todesfallschutz und Kapitalanlage kombiniert. Allerdings hat der Versicherungsnehmer bei der fondsgebundenen Lebensversicherung bei der Auswahl der Anlageprodukte ein Mitspracherecht. Er kann sich selbst die Investmentfonds aussuchen, in die der Sparanteil investiert werden soll. Es gibt bei diesen Verträgen meist keinen Garantiezins wodurch ein Kapitalausfallrisiko besteht, dafür kann die Rendite höher ausfallen als bei der klassischen Kapitallebensversicherung.

 

Für wen lohnt sich eine kapitalgebundene Lebensversicherung?

Wer sich Gedanken über seine Altersvorsorge macht oder eine Kapitalzahlung in ein paar Jahren erhalten möchte, zieht zwangsläufig auch eine kapitalbildende Lebensversicherung in diese Gedanken mit ein. Wem dazu noch eine Absicherung der Hinterbliebenen wichtig ist, der kann mit dieser Versicherung beides kombinieren. Gerade bei Familien, ggf. mit Wohneigentum, ist die Absicherung der Familie wichtig.

Allerdings bieten die meisten Versicherungsgesellschaften häufig nur noch fondsgebundene Lebensversicherungen an, die mehr Ertragschancen aber auch Risiken für den Interessenten bringen. Eine klassische Lebensversicherung hingegen bedeutet, auch wenn nur mit einem geringen Garantiezins, mehr Sicherheit.

 

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