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Rechnungszins

Der Rechnungszins ist ein Zinssatz aus der Versicherungsmathematik und zählt zu den wichtigsten Rechnungsgrundlagen für kapitalbildende Lebensversicherungen. Er kommt bei der Abzinsung von künftigen Leistungen zum Einsatz, um deren heutigen Wert feststellen zu können. Dies ist notwendig, da Lebensversicherungen oftmals über mehrere Jahrzehnte laufen und nur auf diesem Wege die nötigen Deckungsrückstellungen und Beiträge berechnet werden können. Mit dem Rechnungszins wird also ein Kapitalanlageerfolg mit einkalkuliert, der auf Prämienvorauszahlungen und Sparprämien Bezug nimmt. Der Höchstrechnungszins ist nicht mit dem Garantiezins zu verwechseln. 

 

Höhe des Rechnungszinses

Die Höhe für den Rechnungszins bei der Lebensversicherung ist gesetzlich festgeschrieben. Der höchstzulässige Rechnungszins ist in der Deckungsrückstellungsverordnung festgelegt. Aktuell beträgt der Rechnungszins der Lebensversicherung 1,75 Prozent. Seit den 2000er Jahren mindert sich der Höchstrechnungszins kontinuierlich. Bis zum Juni 2000 hatte er noch 4 Prozent betragen, danach sank er über 3,25 % (2003), 2,75 (2006) auf 2,25 % (2011) ab. Seit Januar 2012 steht er auf dem heutigen Niveau. 

 

Notwendigkeit

Mit dem Höchstrechnungszinssatz wird die Verzinsung von Deckungsrückstellungen begrenzt. Auf diesem Wege soll im Rahmen der bilanziellen Abbildung der Verpflichtungen des Versicherers eine gewisse Mindesthöhe eingehalten werden. Einmal vertraglich festgelegt, darf der Rechnungszins der Lebensversicherung nicht mehr erhöht werden. Eine Senkung des Zinssatzes kommt nur dann in Betracht, wenn der Versicherer diesen Zinssatz nicht mehr erwirtschaften kann. Letztlich dient der Höchstrechnungszins also der Absicherung im Hinblick auf die Vorsorge in der Bilanz des Versicherers. Es soll eine Überschuldung des Versicherers auch in Zeiten niedriger Zinssätze vermieden werden. 

 

Festlegung des Rechnungszinssatzes

Seine Höhe berechnet sich anhand der durchschnittlichen Rendite von zehnjährigen auf Euro lautenden Staatsanleihen. Der Rechnungszinssatz basiert demnach nicht nur auf dem deutschen Wirtschaftsraum, sondern auf dem des gesamten Euroraumes. Anhand der Renditen wird auch die Obergrenze des Rechnungszinses ermittelt, denn der Höchstrechnungszins darf maximal 60 Prozent betragen. Festgesetzt wird der Rechnungszins vom Bundesministerium der Finanzen. Dem geht jedoch noch ein Vorschlag von der Deutschen Aktuarvereinigung und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) voran. 

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