Lexikon

Selbstbehalt

Als Selbstbehalt wird in der Versicherungsbranche ein Anteil verstanden, den Versicherungsnehmer im Versicherungsfall selbst zu tragen haben. Der Versicherer übernimmt also nicht das vollständige Risiko. Weitere gängige Bezeichnungen hierfür sind Selbstbeteiligung, Kostenbeteiligung und Eigenanteil. Der Selbstbehalt kann für einen bestimmten Zeitraum oder pro Schadenfall vereinbart werden. Die Versicherung übernimmt infolge dessen nur Kosten, die im Rahmen eines Schadenfalls über den Selbstbehalt hinausgehen.

 

Auswirkung der Selbstbeteiligung auf Versicherungsnehmer

Der Selbstbehalt kann sowohl prozentual als auch als absoluter Anteil festgelegt werden. Das Risiko wird also teilweise auf den Versicherungsnehmer übertragen. Dafür zahlt der Versicherungsnehmer deutlich geringere Beiträge als bei einer Versicherung ohne Selbstbeteiligung. Der Selbstbehalt bewirkt außerdem, dass der Versicherungsnehmer zu mehr Vorsicht neigt, was im Endeffekt auch zu einer Senkung der Effekte aus Moral Hazards führt. Das bedeutet, dass die versicherte Person es eher vermeidet, leichtsinnig und verantwortungslos zu handeln, da sich die aus dem Versicherungsschutz ergebenden Anreize stark verringern. Je höher der Selbstbehalt, der im Rahmen einer Versicherung vereinbart wird, desto höher ist auch die Bereitschaft aufseiten des Versicherungsnehmers, umsichtiges Verhalten an den Tag zu legen, um einen Versicherungsfall von vornherein zu vermeiden.

Ein bekanntes Beispiel für den Selbstbehalt war die sogenannte Praxisgebühr, die bis Januar 2013 bezahlt werden musste. Diese Gebühr in Höhe von 10 Euro musste einmal pro Quartal bei Inanspruchnahme von Arztpraxen entrichtet werden.

Einige Krankenversicherungen bieten freiwillige Selbstbehalte an, die mit bestimmten Anreizen verbunden sind. Einige Versicherer schütten beispielsweise einen Bonus aus, was Versicherungsnehmer dazu bewegen soll, effizienter mit den gebotenen Leistungen umzugehen. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind beispielsweise auch Zuzahlungen bei Medikamenten, Heilmitteln, Verbandmitteln und anderen Hilfsmitteln üblich. Der Versicherte leistet dann einen Teilbetrag an den Leistungserbringer wie zum Beispiel an den Apotheker, den Arzt oder das Krankenhaus. Bei einem stationären Krankenhausaufenthalt müssen beispielsweise 10 Euro pro Kalendertag an Zuzahlung geleistet werden. Bei Medikamenten und Hilfsmitteln fallen 10 Prozent des Abgabepreises an, wobei die Untergrenze bei 5 Euro und die Obergrenze bei 10 Euro liegt.

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