Ausschuss-Bericht bescheinigt Lebensversicherern schwere Zeiten

Vor Kurzem wurde der Deutsche Bundestag von der Bundesregierung durch den Ausschuss für Finanzstabilität über die Bewertung des deutschen Finanzsystems unterrichtet. Zwar bescheinigt der Ausschuss dem deutschen Finanzsystem auch angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase eine gewisse Robustheit. Es gebe aber auch "potenzielle Gefahrenherde", womit zuvorderst die deutschen Lebensversicherer gemeint sind.

Run-off ist mittlerweile gängige Praxis

Der seit Anfang 2013 existierende Ausschuss, dem Vertreter der Bundesbank, des Finanzministeriums und der Finanzaufsicht angehören, stellt in seinem mittlerweile vierten Bericht fest, dass die erwirtschafteten Erträge der Lebensversicherer nicht mehr ausreichen würden, um den langfristigen Verpflichtungen nachkommen zu können. So hätten sich bereits mehrere deutsche Lebensversicherer dazu entschieden, das Neugeschäft komplett einzustellen und den verbleibenden Bestand im sogenannten "Run-off" abzuwickeln.

Das wachsende Run-off-Geschäft stelle laut Bericht jedoch kein Stabilitätsrisiko dar. Rund acht Prozent der versicherungstechnischen Rückstellungen der Lebensversicherungsbranche befänden sich mittlerweile in einem Run-off. Der Vorteil für die Versicherer liegt in den sinkenden variablen Kosten, da der Vertriebsaufwand für das Neugeschäft komplett wegfallen würde. Außerdem haben Versicherer noch die Möglichkeit, den Bestand an sogenannten Run-off-Plattformen abzugeben, wodurch sich die Kosten ebenfalls reduzieren würden.

Kritische Funktion der Lebensversicherer im Fokus

Der Ausschuss betonte die kritische Funktion, die Versicherer hinsichtlich der Finanzmarktstabilität zu erfüllen hätten, da sie Unternehmen, private Haushalte, Finanzinstitute und staatliche Stellen gegen Risiken absicherten. Von einem Ausfall dieser Funktion wäre die Realwirtschaft unmittelbar betroffen. Hinzu kämen noch die Aufgaben, Altersvorsorge-Einrichtungen zu schaffen und als Investoren in Kapitalmärkten tätig zu sein. Allein im vierten Quartal 2016 hätten sie rund 2,6 Billionen Euro verwaltet, was fast 18 Prozent der finanziellen Aktiva in Deutschland entspräche.

Im Bericht des Ausschusses wird außerdem auf das neu eingeführte Aufsichtsregime Solvency II verwiesen. Die Solvenzquote berechnet sich aus dem Verhältnis der Eigenmittel des jeweiligen Versicherers zu den Solvenzkapital-Anforderungen und soll 100 Prozent nicht unterschreiten. Da gegen Ende des Jahres 2016 das Zinsniveau leicht angestiegen ist, konnte sich die Quote weiterhin mit einem Wert von 291 Prozent auf Vorjahresniveau behaupten.

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