Deutsche Lebensversicherer: Abwärtstrend bei laufenden Verzinsungen setzt sich fort

Die Überschussbeteiligungen der großen Versicherer schmelzen dahin: Bei der Allianz sinkt die laufende Verzinsung für klassische Verträge, bestehend aus Garantiezins und Überschüssen, in 2017 auf magere 2,8 Prozent. Das hat Deutschlands größter Lebensversicherer Anfang Dezember in Stuttgart bekannt gegeben. Das entspricht einer Senkung um 0,3 Prozent, denn im Jahr 2016 durften sich Versicherungsnehmer noch über 3,1 Prozent auf den Sparanteil freuen.

Allianz, Axa und Ergo: Die Zinsen sinken weiter

Eine Entwicklung, die sich nicht auf die Allianz beschränkt, denn bei anderen großen Versicherern sieht es ganz ähnlich aus. So senkt beispielsweise die Axa ihre laufende Verzinsung auf 2,9 Prozent. Bei der Ergo schmilzt die Verzinsung sogar von 2,7 auf noch dürftigere 2,25 Prozent. Der Versicherer hatte im Vorjahr noch auf eine Absenkung verzichtet, laut Ergo-Chef Michael Fauser sei eine Anpassung der Überschussbeteiligung angesichts des aktuellen Kapitalmarktumfeldes und der Prognosen für 2017 nun aber erforderlich.

Garantiezins verbleibt auf niedrigem Niveau

Die laufende Verzinsung bei klassischen Lebensversicherungen besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten: Überschussbeteiligung und Garantiezins. Letzterer wird vom Bundesfinanzministerium festgesetzt und soll zum 1. Januar 2017 von derzeit 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent gesenkt werden. Änderungen am Garantiezins sind üblicherweise nur alle zwei Jahre vorgesehen. Versicherungsnehmer mit älteren Verträgen, in denen noch ein höherer Garantiezins festgeschrieben ist, brauchen um diesen jedoch auch weiterhin nicht zu bangen. Laut Alf Neumann, Privatkundenvorstand der Allianz Leben, gäbe es Anlass sich zu wundern, wenn der Garantiezins auch im Jahr 2018 verändert werden würde. Von einer Änderung im Zinsumfeld an den Kapitalmärkten geht er dabei nicht aus.

Über Jahre hinweg galten hohe Zinsen als Top-Argument für die Lebensversicherung als Altersvorsorge. Die hohen Zinsversprechen der Altverträge von bis zu vier Prozent werden mehr und mehr zu einem Problem, da sich die damit verbundenen Zinszahlungen angesichts der nach wie vor niedrigen Zinssätze an den Kapitalmärkten kaum noch erwirtschaften lassen. Laut Neumann spiele der Garantiezins bei den klassischen Tarifen nur noch eine untergeordnete Rolle. Stellhebel sei vielmehr die Überschussbeteiligung. Die Zinssenkungen zeigen auch eine entsprechende Wirkung: Im Neugeschäft machen Verträge der klassischen Lebensversicherung laut Allianz mittlerweile weniger als zehn Prozent aller Abschlüsse aus. Alles in allem wachse das Neugeschäft jedoch und 2016 sei ein gutes Jahr gewesen, so Neumann.

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