Wann wird die Zinszusatzreserve zur Gefahr?

Für einige Lebensversicherer könnte die Luft künftig dünner werden. Der Grund liegt in hoch verzinsten Altverträgen, deren Reserven nicht mehr geschultert werden können. Allein in diesem Jahr müssen die Lebensversicherer rund 20 Milliarden Euro in die Zinszusatzreserve (ZZR) einstellen – sieben Milliarden mehr als in 2016 laut einer Prognose der Ratingagentur Assekurata.

Zinszusatzreserve wächst und wächst

Laut Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata, müsse die Politik jetzt umschwenken. Denn sonst könne es noch die Medizin sein, die den Patienten umbringt. Die Belastungen, mit denen die Versicherer infolge der ZZR zu kämpfen hätten, sollen in den nächsten Jahren noch weiter ansteigen. Mit einem Vergleich des gesamten Eigenkapitals macht die Agentur deutlich, wie hoch die Belastungen schon heute liegen. Dieses liegt derzeit nämlich bei rund 16 Milliarden Euro. Im Zeitraum von 2011 bis 2016 mussten die Versicherer rund 45 Milliarden Euro für die ZZR aufbringen.

Nachreservierungen bringen Versicherer in Schieflage

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase dürfte der Referenzzinssatz im laufenden Jahr von 2,54 auf 2,17 Prozent sinken. Dadurch bestünde auch erstmals für Verträge mit einem Garantiezins von 2,25 Prozent ein Nachreservierungsbedarf. Rund zwei Drittel aller alten Lebensversicherungen sind schon heute von derartigen Nachreservierungen betroffen. Müssen die Versicherer nach der derzeitigen Methodik auch künftig weiter reservieren, dürfte sich der eine oder andere von ihnen schon bald in einer bedrohlichen Schieflage befinden.

Laut Will seien sie dann nach HGB-Bilanz insolvent, zugleich aber nach Maßgaben von Solvency II noch zahlungsfähig. Dem Verbraucher müsste so etwas erst einmal beigebracht werden. Der Grund für diese augenscheinliche Diskrepanz liegt darin, dass Solvency II den Versicherern eine Übergangsfrist von 15 Jahren gewährt, die es nach Handelsgesetzbuch nicht gibt. Zudem sei das Tempo kritikwürdig, mit dem die Lebensversicherer Sicherheiten für ihre Altbestände aufbauen müssen.

Aktuelle Strategie ist fragwürdig

Bei der Assekurata befürchtet man nun, dass sämtliche Appelle an die Politik verhallen könnten und diese erst dann handelt, wenn die Aufsichtsbehörde gegen einen Lebensversicherer Maßnahmen einleiten muss, weil er den Verpflichtungen aus der ZZR nicht mehr nachkommen kann. Immer mehr Lebensversicherer müssen derzeit ihre Altanlagen verkaufen, um auf diesem Wege ihre stillen Reserven für die ZZR zu realisieren. Der Zins, zu dem Lebensversicherer neu anlegen können, fällt jedoch deutlich geringer aus. So bleibt es fraglich, ob darin unter Berücksichtigung der derzeitigen Rahmenbedingungen eine kluge Strategie zu sehen ist.

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